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Geschichte zu Preßwitz

 

Preßwitz   ein versunkener Ort im Hohenwartestausee

In Erinnerung an den Ort und seine Einwohner
wird in der heutigen Gemeinde Hohenwarte
eine Straße benannt.

Herkunft des Namen "Preßwitz"

Ursprünglich kommt „Preßwitz“ vom sorbischen Namen „breza“ und bedeutet „Birke“. Im Laufe der Zeit wurde daraus der Name „Preßwitz“. Der Ort wurde erstmalig 1125 erwähnt und erhielt 1902 eine massive Brücke, da sich 4/5 der Wald-, Wiesen- und Ackerfläche auf der anderen Seite der Saale befanden.

Geschichtliches und Interessantes zum Ort Preßwitz

Der Ort Preßwitz und weitere Orte im Saaletal wurden auf Grund des Staumauerbaues (von 1936-1942) überflutet und liegt jetzt in etwa 40m Tiefe im Hohenwarte Stausee. Die ungefähre Lage lässt sich an der Preßwitzer Spitze zwischen der Staumauer Hohenwarte und dem Alter erahnen.

Preßwitz war ein idyllisch gelegener Ort im Saaletal, mit 27 Häusern und 125 Einwohnern, die sich auf 9 Bauernhöfe, 16 kleinere Landwirtschaften und einige Familien ohne Landbesitz verteilten. Dazu gehörte eine Kirche mit Mauerwerk und schwerem Steintor sowie ein Schulhaus. Neben der Landwirtschaft übten die Bewohner ihr Tagwerk als Zimmermann, Schmied, Korbmacher, Schuhmacher, Fleischer, Flößer, Fischer oder Gastwirt aus. Ein Teil der Leute ging nach Hohenwarte in die Kartonfabrik zur Arbeit.

Die Kartonfabrik wurde von der Rudolstädter Firma Grosch und Zitkow 1904 errichtet und betrieben. Sie gehörte nach Hohenwarte und stand auf Preßwitzer Flur. Im Werk waren annähernd so viel Menschen beschäftigt, wie Preßwitz Einwohner hatte. In den Werkswohnungen waren 14 Familien untergebracht.

Am gesamten Saaleufer standen verschiedene Mühlen, diese Orte sind heute namensgebend wie z.B. die Linkenmühle.  Die Saale war damals ungezähmt und brachte immer wieder Überschwemmungen mit dem bedeutenden Hochwasser im Jahr 1890 hervor. Sie sorgte immer wieder für Leid in Dörfern und Städten am Ufer der Saale. Um dieses Naturereignis abzustellen und weitere Flutwellen fernzuhalten, dachte man über Pläne zum Hochwasserschutz mit Anstauung der Saale im Saaletal nach. Außerdem kam der Gedanke zur Energiegewinnung durch die Firma Carl Zeiss aus Jena hinzu. Mehrere Pläne zum Talsperrenbau wurden immer wieder neu durchdacht und umgestaltet.

 

Der Plan zur heutigen Talsperre mit ihrer gewaltigen Staumauer wurde  durch die AG „Obere Saale“ aus Weimar, die schon den Talsperrenbau in den Bleilöchern übernahm, verwirklicht. Dieses Projekt ermöglichte  das Fortbestehen der damals sehr wichtigen Kartonfabrik.

Kartonfabrik

Der Bau der Kartonfabrik wurde im Jahr 1900 von "Grosch & Zitkow geplant. Am 04.05.1904 wurde mit dem Bau begonnen.

Für die benötigte Wasserkraft wurde ein Wehr bei Preßwitz angelegt, sowie ein 1,5km langer Damm gegen den Saalelauf. Eine Schützenbrücke regulierte den Saalelauf. Neben dem Fabrikgebäude wurde ein 32m hoher Schornstein, eine Brücke die Hohenwarte mit der Kartonfabrik verband und eine Wasser - und Dampfkraftanlage errichtet. Die Anlage wurde mit zwei Zwillingsturbinen mit je 900PS betrieben. Als Ergänzung dazu dienten zwei Dampfmaschinen mit einer Leistung von 150 & 360 PS.

Dies war bis zum Bau des Konrodkraftwerkes der Firma Carl Zeiss Jena, die größte Wasserkraftanlage im oberern Saaletal. Nach der Trennung der Unternehmer im Jahre 1908 und später nach dem 1. Weltkrieg wurde Gustav Müller der neue alleinige Unternehmer der Kartonfabrik.

Die maschinelle Produktion von Karton jeglicher Art ( Triplex-, Chromersatz, Dublex-, Holz, Fahrkarten, Fanatasiekarton und Lederpappe) begann bereits 1906. Die Kartons wurden hauptsächlich aus Altpapier hergestellt. Als Zusatzstoff verwendete man Holz.

Im Jahre 1913, 1919 & 1921 wurde durch die zahlreichen Facharbeiter (Österreicher) der Wohnungsbau auf dem Fabrikgelände vorgenommen. Die Zahl der Einwohner stieg auf 100 an und blieb dann konstant.

Nach dem Bau des PSW II musste die Kartonfabrik jedoch aufgeben. Das ständige Befüllen und Ablassen des Ausgleichsbeckens Eichicht wurde zum Problem für den weiteren Betrieb der Fabrik. So wurde am 30.06.1962 die letzte Schicht gefahren. Am 01.07.1962 um 6:00Uhr wurde das Ende mit einem langanhaltenden Pfeifton eingeleitet.

 

Jedoch wurde mit diesem Plan der Untergang von Preßwitz
und der im Staugebiet liegenden Gemeinden besiegelt.

Angaben zum Bauprojekt

Daten zum Bauwerk Staumauer

 

Bauzeit:                          936-1942       

Gründungssohle Höhe:          75m        

Bauwerksvolumen:      510.000 m³

Kronenlänge:                       412m

Kronenbreite:                          6m          

Daten zum Stausee

 

Wasseroberfläche bei Vollstau:   730 ha

Speicherraum:                     182 Mio. m³

 

 

Der Ort Preßwitz wurde evakuiert. Die Bewohner wurden umgesiedelt und bekamen eine Entschädigung zum Ausgleich ihres Grund und Bodens und deren Häuser. Ersatzhäuser wurden in der näheren Umgebung der anderen Gemeinden errichtet. Einige Bewohner kehrten ihrer Heimat den Rücken. Die Häuser in Preßwitz wurden teilweise abgebaut um das Baumaterial an anderer Stelle für einen Neubau wieder nutzen können.

Chronologische Auflistung zum Untergang von Preßwitz

Pfingsten 1938
Letzter Gottesdienst in der Kirche zu Preßwitz. Auf Tonband wurde das letzte Geläut zum Gottesdienst aufgenommen und zum Silvesterabend 1938 vom Mitteldeutschen Rundfunk gesendet.

1. April 1938
Durch eine Verfügung der Thüringer Landesregierung wurde die Gemeinde Preßwitz mit Wirkung vom 1. April 1938 in die Gemeinde Hohenwarte eingegliedert und der Name Preßwitz aus dem Gemeinderegister gestrichen.

5. bis 9. September 1938
Bei Schießübungen der Wehrmacht auf Leutenberger Flur über den Berg "Quietschen" stand Preßwitz unter schwerem Beschuss.

22. April 1939
Aus einer Meldung der „Leipziger Neueste Nachrichten“ geht hervor, dass das an der oberen Saale liegende Dorf Preßwitz, alsbald in den Fluten der Saale versinken wird.

 

 

Preßwitz
Preßwitz 2
Preßwitz
Gedicht
Heimatgeschichte
Kartonfabrik
Kirche

1939 standen 7 Häuser in Neu - Hohenwarte

Die Häuser waren DAMALS…… – und sind HEUTE……

Hausnummer 1- Die Fabrikanten Villa

Damals baute der Besitzer der Kartonfabrik diese schöne Villa für seine Familie. Hierher lud er unter anderem auch Geschäftspartner ein. Die er herrschaftlich empfing. Nach der Enteignung wurde ein Mehrfamilienhaus daraus, bis es später wieder in Privatshände überging. Leider war es nun fast dem Untergang geweiht.

 

Heute erstrahlt die Villa wieder in ihrem herrschaftlichen Glanz, inmitten eines kleinen Parkes. Die Villa wurde an einen neuen Besitzer verkauft der sie wieder liebevoll herrichtete. So entstanden 2 Wohnungen im Obergeschoß und  ein kleines, liebevoll eingerichtes Café im Erdgeschoß. Hier kann man sich ganz leicht in die Geschichte des Hauses hineinfühlen.

Hausnummer 2 - Das Forsthaus

Damals baute der staatliche Forst dieses Haus für seine Mitarbeiter und ihre Familien. Bis zur Wendezeit lebten hier meist 2 Forstfamilien. Auch kinderreiche Familien lebten hier auf engstem Raum zusammen mit den Großeltern. Im Jahre 2001 veräußerte der Staatsforst das Gebäude an private Hände.

 

Heute wird dieses gemütlich anmutende Haus durch seine Besitzer bewohnt und erfährt immer wieder eine liebevolle Gestaltung zu den Jahreszeiten und Festtagen.

Hausnummer 3 - Das Gemeindeamt

Damals wie auch heute noch, war das Gemeindeamt ein Haus für das öffentliche Leben und die Belange der Einwohner aus Hohenwarte. Gemeinderatssitzungen, Feierlichkeiten, Bürgerversammlungen, Tanz, Kinoabende usw. wurden hier abgehalten. Unter der gastronomischen Leitung des Heimatvereines Hohenwarte 1973 e.V. wurde viele Jahre das öffentliche Leben hier gestaltet.

 

Heute ist das Gemeindehaus immer noch Anlaufpunkt für die Einwohner, um ihre Fragen an den Bürgermeister zu richten. Ein kleines Touristeninformationsbüro bemüht sich um die Auskunft der Touristen und kümmert sich um die Festlichkeiten der Hohenwartener. Der Saal, der 2010 saniert und mit der neusten Technik ausgestattet wurde, wird für Privat-Veranstaltungen vermietet. Gemeinderatssitzungen, Feierlichkeiten, Einwohnerversammlungen, Wahlen usw. werden hier immer noch traditionell abgehalten.

Hasnummer 4 - Die Schule

Damals verwendete man für den Bau der Grundmauern des Hauses die Prüfwürfel aus Beton vom Sperrmauerbau. Das Haus wurde als Schule, für die wenigen Kinder die es anfangs gab, gebaut. Später wurde die Schule zu einem Kindergarten umgenutzt. Die Gemeinde stellte im Keller eine Mangel auf, die von den Bewohnern aus Hohenwarte redlich zum mangeln ihrer Handtücher, Bettbezüge und Tischdecken genutzt wurde. Nach Auszug des Kindergartens nutzte der Bauhof der Gemeinde das Gebäude für eine kurze Zeit.

Heute, nachdem die Gemeinde das Gebäude in private Hände verkauft hatte, ist es zu einem schönen Einfamilienhaus umgestaltet wurden. Durch die Größe des Gebäudes findet sogar das kleine Malergeschäft des Hausbesitzers darin seinen Platz.

Hausnummer 5 - Die Kirche

Damals wurde die Saalkirche (erbaut 1934 bis 1938) als Ersatz für die untergegangene Kirche neu erbaut. Aus der alten Preßwitzer Kirche wurden u. a. drei Figuren eines spätgotischen Flügelaltars von 1500, Georgiorgel, das Taufbecken mit Taufkanne von 1686, eine Abendmahlskanne von 1662, sowie die Glocken von 1754 und 1924 in die Hohenwartener Kirche umgesetzt..

Heute findet noch 1x im Monat am Sonntag der Gottesdienst mit Pastorin Frau Müller statt. Für Geschichtsinteressierte hält die Kirche eine liebevoll gestaltete Dauerausstellung über Preßwitz bereit.

Einen herzlichen Dank für diese Ausstellung gilt

dem Heimatverein Hohenwarte 1973 e.V..

Hausnummer 7 - Das Privathaus

Damals wurde dieses Wohnhaus als Ersatzbau von der AG „obere Saale für die Familie Kachold aus Preßwitz errichtet. Der Anbau wurde aus dem abgetragenen Material des Hauses aus Preßwitz gebaut. Anderthalb Familien fanden hier ihren Platz. Die Familie Kachold war die einzige Familie die nach Neu -Hohenwarte umgesiedelt wurde.

Heute lebt Familie Kachold schon in der 2. Generation in diesem Haus.

 

 

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